Revierinfos Nordgriechenland

Das Revier hat eine Ausdehnung von rund 200 sm (von Thassos bis Skyros). Mai, Juni und September herrschen meistens thermische Winde vor. Im Juli und August bläst der Meltemi aus Nord bis Nordost mit unterschiedlicher Stärke, erreicht jedoch nicht die Stärke wie in den Kykladen.

Auf Thassos, Limnos, Samothraki und Lesvos kann der Meltemi jedoch seine volle Stärke erreichen. Fischerfreunde von uns waren mit ihrem Kaiki (15 m lang, 200 PS Mercedes) schon mehrmals in Limnos für Tage eingeweht. Auf der Chalkidiki geht´s etwas milder zu, jedoch können dort als auch auf den Sporaden im Sommer Wärmegewitter mit beachtlichen Böen auftreten. Die Griechen nennen diesen Gewitterwind Bourini.

Auf Kassandra haben wir bei Nea Skioni auch schon Wasserhosen erlebt. Es kann im Sommer auch sehr schnell diesig werden, vor allem bei Windstille wird die Sicht plötzlich sehr schlecht. Bei unserem ersten Sporadentörn ím Juli1983 hatten wir den Kurs auf die Leuchturminsel Psathura abgesteckt. In der letzten Stunde war der Wind plötzlich eingeschlafen und trotz genauer Navigation und geringer Versetzung war der Leuchtturm kaum auszumachen.

Ständiges Abhören des griechischen Wetterberichtes auf Kurzwelle 729 und 1044 kHz ist unentbehrlich. Täglich um 0630 Lokalzeit auch in englisch. Der österr. Seewetterbericht auf Kurzwelle ist für dieses Gebiet zu ungenau.
Wer auf der Chalkidiki oder auf den Sporaden eine Infrastruktur wie in Kroatien oder in Italien erwartet ist hier falsch. Es regiert die Ursprünglichkeit.
Es wird viel geankert. Eine elektrische Ankerwinsch kann nicht schaden. Mit Bug oder Heckanker, es sollten genug lange Leinen auch für das Festmachen in der Maccia vorhanden sein. Wir hatten heuer nie Probleme den Wassertank nachzufüllen. Bei vielen Tavernen direkt am Pier gibt´s einen Wasserschlauch und gegen geringes Entgelt oder sogar gratis können die Wassertanks gefüllt werden (Man erwartet dann, dass die Crew zum Essen kommt). Blockeis gibt es entweder im Supermarket (Steni Valla) oder in den Fischhandlungen, welche sich oft im Hafenbereich befinden, ebenfalls fast zum Nulltarif. z.B.: In Amouliani kosteten drei grosse Eisblöcke € 1.50. Warme Duschen werden oft in Hotels und kleinen Pensionen, manchmal auch im Supermarkt (Steni Valla), angeboten, was ja der salzwasserstrapazierten Haut manchmal ganz gut bekommen kann.
Pelagonisi ist seit heuer ein Nationalpark. Es gab bereits Pläne für ein Übernachtungs- und Ankerverbot in diesem Schutzgebiet. Es liegt an uns allen mit etwas Disziplin (Fäkalientank, keine Mistablage auf der Insel usw.) diese wunderschöne Insel weiter für uns Segler zu erhalten.
Diesel zu tanken ist ebenfalls problemlos möglich. Man geht in die nächste Taverne auf eine Erfrischung, fragt den Wirt nach petrelia und ab 100 Liter kommt der Minitankwagen direkt zum Schiff.
Überhaupt wird viel improvisiert, manchmal dauert es ein wenig - temporasi od. ena lepta -
sind geflügelte Worte, aber die Griechen sind durchwegs sehr hilfsbereit und es klappt eigentlich fast immer. Man ist ja im Urlaub und eine Verzögerung von einer halben Stunde sollte das strapzierte mitteleuropäische Nervengerüst aushalten.
Seit heuer gibt es auch geringfügige Hafengebühren. Wir haben in vierzehn Tagen, ausser in Skyros nicht´s davon gemerkt. Nach zwei Tagen kam in Linaria eine Abordnung des Hafenkapitäns zu den vier hier liegenden Yachten mit der höflichen Bitte mit den Schiffspapieren zum Hafenkapitän zu kommen. Nach äusserst umständlichen Berechnungen - es erinnerte etwas an die Berechnung der in Italien abgeschafften Tassiemento - wurden für eine 40 Fuss Yacht € 5.00 für zwei Tage berechnet. Die Bordkassa hat´s überlebt.
Es lohnt sich an schönen Plätzen wie in Linaria (Skyros) einmal länger zu bleiben.
Beim zweiten Besuch in der "Stamm Taverne" dankt es der Wirt bereits mit prall gefüllten Gläsern von Zypouro(selbstgebrannter Ouzo) zum Nulltarif. Aus der Küche werden griechische Schmankerln zum probieren gerreicht, in den Music Pubs erreichen am Abend die Barcardi - Cola Mischungen beachtliche Dimensionen und vom Super Market werden beim Bunkern die nicht gerade kleinen Getränkebestellungen bis an´s Schiff geliefert.
Überhaupt kann es nicht schaden ein paar Brocken Griechisch zu können. Die Griechen honorieren jeden Versuch ihre schwierige Sprache zu sprechen mit grosser Hilsbereitschaft in allen Situationen. Als recht praktisch hat sich ein kleiner Sprachführer aus dem Reiseladen im 1.Bezirk, Dominikaner Bastei erwiesen: Kauderwelsch Band 4, Griechisch für Globetrotter, Karin Spitzing. Hier wird kein Wert auf perfekte Grammatik und schöne Phrasen gelegt, ausserdem wird auf die griechische Schrift verzichtet, dadurch ist alles von der ersten Minute an lesbar. Totzdem sollte man sich mit dem griechischen Alphabet etwas auseinandersetzen. Zwei bis drei Stunden genügen um zumindestens die Grossbuchstaben lesen zu können.
Zum Lesen der griechischen Seekarten können auch Kenntnisse der griechischen Kleinschreibung von Nutzen sein.
Wer nach einem Törn noch etwas Zeit erübrigen kann, sollte sich eine Enduro mieten und damit das wunderschöne Innenleben der Chalkidiki erforschen.

Anreise, beste Reisezeit
Nach Thesaloniki gibt es täglich Linienflüge zum Pex-Tarif. Vom Flughafen zum Stützpunkt Porto Koufo wurden heuer für eine Taxifahrt zwischen € 65.00 bis € 70.00 verrechnet. Für grössere Gruppen gibt es eine organisierte Busabholung. Nach Skiathos geht´s am Wochenende nur mit dem Umweg über Athen. Wir sind im eigenen Campmobil mit der ANEK Line ab Triest angereist. Wer nach dem Törn noch einige Tage Urlaub erübrigen kann, ist mit der Autofähre sicher am besten bedient. Nach einer Minikreuzfahrt durch die Adria und das Ionische Meer ist man 24 Stunden später in Igumenitsa, bzw. nach nochmals acht Stunden in Patras. Beim abendlichen Sirtaki in der Bordbar kommt bereits stressfreie Urlaubsstimmung auf. Von Igumenitsa benötigt man 8 Stunden auf die Chalkidiki, von Patras ca. 10 Stunden. Der PKW kann während des Törns am Stützpunkt abgestellt werden. Die beste Reisezeit ist nach wie vor Mai, Juni, September. Wir haben heuer auch in der Hauptsaison im August keinerlei Beeinträchtigung verspürt und unseren Segelurlaub in vollen Zügen genossen.

Navigation
Es ist nicht empfehlenswert nur auf Sicht zu fahren. Wir haben schon untertags bei diesigen Wetter Yachten vor der Einfahrt von Porto Koufo herumirren sehen, da diese nicht gefunden wurde. In der Nacht taucht das rote Leuchtfeuer von Porto Koufo sowieso erst im letzten Moment auf.

Bei Flotillatörns mussten schon des öfteren die roten Lichter der Diskotheken des 3 sm entfernten Toroni als Leuchtfeuer herhalten. Terrestrische Navigation ist angesagt. Auf den Charterbooten von GREEK YACHTS sind alle nötigen Navigationsinstrumente, wie Peilkompass, Dreiecke, Marinezirkel und natürlich Seekarten und Hafenhandbücher vorhanden.
Den Taschenrechner sollte man mitbringen. Bei längeren Schlägen ist ständiges Koppeln Pflicht.
Bei Verwendung es GPS sollte man sich nicht nur auf diesen verlassen. Bei unseren diesjährigen Törn war ein Garmin 40 durch eine einzige, eingestiegene Welle sofort ausser Gefecht. Laut Prospekt sollte er zumindestens Spritzwasser geschützt sein. Trotzdem ist die Navigation zwischen den Inseln der Nördlichen Sporaden und auf der Chalkidiki nicht zu kompliziert.
Das vorhandene Kartenmaterial ob griechisch, englisch (achtung Faden!) oder deutsch ist leider in einem sehr grossen Maßstab und nicht immer genau. Es ist nicht jede Untiefe wie in Kroatien betonnt. Unter dem Motto die Fischer wissen es, die Touristen sollen schauen wie sie damit zurechtkommen. Schauen ist vor allem in unmittelbarer Nähe der Küste immer angesagt. Bei Grün-Braunfärbung des Wassers beginnt die Gesteinsnavigation!!

Resumee
Wir waren diesmal mit einer Apollo 12 von GREEK YACHTS unterwegs. Ein schnell segelndes Boot aus der Dromorwerft. Unter 30 Fuß sollte man dieses Revier nicht besegeln.

Meine Jugendstreiche mit der Leisure 17 sind nicht gerade nachahmenswert, obwohl die Leisure 17 ein seegängiges Boot ist, welches für die englische Atlantikküste konzipiert wurde und bereits eine Atlantiküberquerung hinter sich hat.
Auch mit den 1996, 2000, 200, 2002, 2003 gewonnenen Erfahrungen ist der Norden Griechenlands mehr den je eine Reise wert. Auf eigenen Kiel oder mit der Charteryacht ist es immer wieder ein wunderschönes Erlebnis Land und Leute kennenzulernen.

Dank EU hält sich die früher gefürchtete griechische Bürokratie in Grenzen. Die Menschen haben sich ihre sprichwörtliche Gastfreundschaft bewahrt, die Wasserqualität ist top und selbst das Wetter hat in diesen verregneten mitteleuropäischen Sommer mitgespielt. Bis auf zwei Stunden Regen in Skyros hatten wir nur Schönwetter.